Irgendwann hatten ein paar Freunde und ich die Idee, wir könnten doch anstatt mit dem Flugzeug mit dem Auto nach Georgien fahren – ein ungewöhnlicher Roadtrip. Sonst haben wir das zu den klassischen Reisezielen wie Skandinavien oder den Mittelmeerraum gemacht. Doch hier lockte das Abenteuer, die Ferne, die Straße.

Vorbereitungen


Unsere Idee war, eine Route zu wählen, auf der wir möglichst viel ansehen können. Denn wer will schon eine Woche lang nur im Auto oder auf einer Fähre sitzen. Deshalb entschieden wir uns die klassische Route entlang der Donau bis zur Türkei zu wählen. Weiterhin wollten wir nur eine Richtung fahren, auf dem Rückweg sollte es mit dem Flugzeug gehen. Dadurch kann man in zwei Wochen eine Woche lang fahren und sich Städte anschauen und eine Woche lang Georgien entdecken. Das heißt aber, das Auto muss in Georgien bleiben. Hier kommt also nur ein Gebrauchtwagen in Frage. Den Gebrauchtwagen kann man dann entweder selbst verkaufen oder man übergibt ihn in die treuen Hände eines Verwandten, damit der ihn verkauft.

Wir waren 4 Personen, hier kam also nur ein größeres Fahrzeug in Frage. Da wir eigentlich auch noch ins Gebirge wollten, fiel die Wahl zunächst auf einen Geländewagen. In den Bergen sind die Wege nicht überall befestigt, die Straßenverhältnisse in Georgien sind allgemein nicht besonders toll, wenn man von den gut ausgebauten Fernstraßen absieht. Da jedoch kein preiswerter Geländewagen gefunden wurde, haben wir uns für einen Opel Astra Kombi entschieden. Opels werden in Georgien gern gekauft. Sie versprechen deutsche Qualität zu einem günstigen Preis und sind leicht zu warten. Der Astra verkauft sich immer noch ganz gut, wobei nicht mehr so große Gewinne wie noch vor 10 Jahren zu erzielen sind. Man sollte hier kein zu teures Fahrzeug kaufen, auf jeden Fall deutlich unter 1000€. Dann einfach ab zu einer Werkstatt, die einen günstigen Check anbietet, die finden recht viele Fehler, die wollen ja was verkaufen. Wenn nix wirklich gravierendes dran ist, kann es losgehen. Sicherheitshalber sollte man etwas Öl mitnehmen, ein Ersatzrad ist auch von Vorteil.

Unsere Reiseroute



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Die Route verlief von Nürnberg über Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Istanbul, Sinop, Samsun, Batumi. Insgesamt haben wir in zwei Wochen etwa 4000km zurückgelegt. Die Straßenverhältnisse sind weitestgehend gut. In der Türkei gab es einzelne Abschnitte, wo an der Küstenstraße gebaut wurde und der komplette Fahrbahnbelag bis auf den Sand abgerissen wurde. Hier fährt man dann 20km auf schlecht befestigtem Untergrund - Steinschläge sind die Folge. In Georgien sind die Fernverbindungen sehr gut ausgebaut. Abseits dieser sind die Straßen jedoch häufig nicht asphaltiert, es gibt riesige tiefe Schlaglöcher. Von der Fahrweise ist abgesehen vom Chaos in Istanbul nur in Georgien Vorsicht geboten. Abgesehen von Deutschland und Georgien wird in jedem Land der Route Maut in Form von Vignetten fällig. Tankstellen und Benzin in üblicher Qualität gibt es überall.

Die Fahrt




Wir sind am ersten Tag von Nürnberg losgefahren und über Wien nach Budapest gelangt. Dort sollte man am Nachmittag eintreffen. Wir hatten gutes Wetter und konnten einen schönen Tag in der Stadt verbringen.

Am nächsten Morgen ging es weiter zur serbischen Grenze. Das Ziel des zweiten Tages war Bulgarien. Die Hauptstadt Sofia liegt nahe der serbischen Grenze. Wir haben Belgrad am Mittag passiert. Pommes mit Schafskäse war hier die kulinarische Entdeckung des Tages auf einer serbischen Raststätte. Der Weg insbesondere von Belgrad bis zur Grenze zieht sich ziemlich.



An den Grenzübergängen zu Serbien und zu Bulgarien ist mit Wartezeiten zu rechnen – Schwierigkeiten gibt’s jedoch keine. Wir sind erst am Abend in Sofia angekommen und hatten leider keine Zeit mehr für einen Stadtbummel.

Das Ziel von Tag 3 war Istanbul. Wir sind sehr früh in Sofia aufgebrochen um am Nachmittag mehr Zeit in Istanbul zu haben. Deshalb haben wir leider in Bulgarien nicht viel gesehen. Hier könnte man, wer die Strecke nachfahren will, einen Tag mehr Zeit einplanen. Auf den bulgarischen Landstraßen ist etwas Vorsicht geboten, willkürliche Polizeikontrollen gehören hier zum Alltag. Man hört immer wieder von Schauergeschichten, wir können hier allerdings nichts Negatives berichten. Wir sind einmal kontrolliert worden und konnten problemlos weiterfahren. An der Grenze zur Türkei war etwas warten angesagt. Bezüglich Visa sollte man sich informieren, als Deutscher braucht man kein Visum, als Österreicher beispielsweise schon. Für das Fahrzeug, welches man aus der EU ausführt, bekommt man einen Zollstempel. Alles in allem war das recht reibungslos. Die Autobahn von Bulgarien nach Istanbul ist mautpflichtig, es empfiehlt sich gleich eine Prepaid-Karte für die Mautstellen zu kaufen, man braucht die hinter Istanbul auch noch einmal. Am Nachmittag sind wir im Verkehrschaos von Istanbul angekommen. Hier gilt die Devise immer mitschwimmen, ab und zu hupen und alles geht ohne Schwierigkeiten. Am Abend lockt die Metropole am Bosporus mit tollen Restaurants und Nightlife. Wer weiter nach Osten will, sollte jedoch nicht zu lange feiern, denn die Brücke über den Bosporus ist gnadenlos verstopft.

Wir sind am Tag 4 mit der Fähre über nach Asien übergesetzt. Das ging zwar nicht ganz so schnell wie es über die Brücke theoretisch möglich gewesen wäre, aber es war staufrei. Man fährt jetzt ungefähr 2 Stunden lang nach Osten nur durch Istanbul und erst jetzt merkt man, was es bedeutet durch eine Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern zu fahren – Wahnsinn. Unser Ziel des Tages war Safranbolu.



Safranbolu ist Weltkulturerbe. Die Stadt besticht mit tollen Fachwerkhäusern, außerdem gibt es noch eine Tropfsteinhöhle. Nicht weit von Safranbolu.

Von Safranbolu sind wir am Tag 5 weiter ans Schwarze Meer gefahren. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Abana war das Tagesziel Sinop. In Sinop gibt’s ein paar ganz nette Restaurants direkt am Meer, wo es frischen Fisch zu Schnäppchenpreisen gibt. Die Straßenverhältnisse waren teilweise etwas abenteuerlich und den vielen Baustellen der Küstenautobahn geschuldet.

Nahe Safranbolu sind die Wasserfälle von Erfelek. Dort kann man entlang eines Bachlaufs 27 Wasserfälle hochklettern. Es sind kaum Touristen unterwegs und man hat ein einzigartiges Naturschauspiel zu sehen.



Das ganze liegt in einem Naturpark, für den man inklusive Auto gerademal 6 Euro Eintritt zahlen muss. Wer Höhenangst hat, sollte hier besser nicht mitkommen aber sonst ist das ein grandioser Kletterspaß. Nach der Klettertour ging es weiter mit dem Auto nach Samsun, dem Tagessziel.

In Samsun gibt es relativ wenig Hotels und Hostels, so dass es sich empfiehlt sich früh nach einer geeigneten Unterkunft umzusehen. Von Samsun aus ist es nicht mehr weit nach Georgien. Man könnte durchfahren, wir sind aufgrund eines starken Unwetters noch in Rize für eine Übernachtung geblieben. Am siebten Tag haben wir am späten Vormittag die georgische Grenze erreicht - ohne Probleme mit dem Auto oder mit den Grenzbehörden. Ab jetzt hat das Abenteuer Georgien aber erst so richtig begonnen.



Unser Ziel war Swanetien, die sagenumwobene Provinz im nördlichen Kaukasus. Mehr Informationen über Swanetien habe ich im Artikel Georgien entdecken Teil 2: Swanetien zusammengestellt.

Fazit


Das Fazit ist also: Eine Reise mit dem Auto nach Georgien zeigt einem, wie klein Europa im Vergleich zur Türkei eigentlich ist und wie vielseitig und unterschiedlich die Kulturen auf dem Weg zwischen Deutschland und Georgien eigentlich sind. Diese Erfahrung sollte jeder einmal machen. Es ist viel interessanter und tiefgreifender als einfach nur in München in den Flieger zu steigen und in Tbilissi wieder auszusteigen. Nachahmung dringend empfohlen!

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Weitere interessante Artikel über Georgien auf dieser Website
Georgien entdecken Teil 1: Allgemeine Informationen
Georgien entdecken Teil 2: Ausflug nach Swanetien
Georgien entdecken Teil 3: Ostgeorgien - Kachetien
Georgien entdecken Teil 4: Die Georgische Heerstraße
Georgien entdecken Teil 5: Imereti - Im Herzen der Kolchis
Georgien entdecken Teil 6: Georgiens Schwarzmeerküste
Georgien entdecken Teil 7: Georgiens Süden

Fotogalerien über Georgien auf dieser Website
On- und Offroad durch Georgien
Georgiens Süden
Georgien - Imereti, Kazbeg und Meer
Kiew und Georgien
Roadtrip nach Georgien
Meine erste Georgien-Reise


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