Sie lagern in alten Kisten, auf Dachböden, in Kellern und Schränken: Alte Objektiv-Klassiker mit M42 Anschluss. Nicht nur die Kameras aus DDR Produktion, insbesondere PRAKTIKA und seine im Westen von Quelle verramschten Pendants mit REVUE oder Photo Porst-Aufklebern, sondern auch Asahi Pentax, Edixa Reflex und einige russische Kameras waren mit diesem sehr populären Bajonett ausgestattet.

Entsprechend groß ist die Auswahl an Objektiven im Gebrauchtmarkt. Auch ich habe noch ein paar Objektive, hauptsächlich Normalbrennweiten, ein Weitwinkel und ein Zoom.
über Adapter lassen sich die teilweise sehr hochwertigen M42 Optiken (beispielsweise Carl Zeiss Jena) auch an moderne Digitalkameras montieren. Das Auflagemaß des Nikon F Bajonett ist 46,50mm, das Auflagemaß des M42 Bajonett ist 45,45mm. Um diesen Versatz auszugleichen wird ein spezieller Adapter benötigt. Um eine Fokussierung auch auf Unendlich zu ermöglichen, gibt es inzwischen Adapter mit Ausgleichslinsen. Natürlich beeinflusst ein Adapter mit Ausgleichslinse das optische Verhalten des gesamten Systems. Ich war hier sehr skeptisch, bin aber dennoch nicht enttäuscht worden.

Test M42 an Nikon Df


Adapter Wecellent M42 Nikon Adapter mit Unendlichkeitseinstellung




Über einen großen Onlineshop habe ich den Wecellent M42 Nikon Adapter mit Unendlichkeitseinstellung erworben. Es gibt Modelle verschiedener Hersteller, bei dem waren die Bewertungen gut und er kostete nur 12€. Der passt perfekt auf meine Nikon Df und rastet sauber ein. Er verschließt dank Ausgleichslinse das Bajonett, so dass beim Wechsel von M42 Objektiven kein Staub in die Kamera gelangen kann.



Als Testobjekte habe ich ein paar alte Schätze aus der analogen Praktika-Fotoausrüstung meines Großvaters und ein russisches MIR, das ich von meinem Schwiegervater geschenkt bekommen habe, ausgewählt.

An der Nikon Df und anderen semiprofessionellen und professionellen Nikon DSLRs funktioniert die Belichtungsmessung sowohl im manuellen Modus als auch mit Blendenvorwahl - das ist klasse und erleichtert das Fotografieren. Bei Offenblende funktioniert auch der Fokus-Indikator, sprich man fokussiert bei Offenblende und blendet dann auf die gewünschte Blende ab. Dann ist das Bild scharf und korrekt belichtet.
Hier meine Erfahrungen mit den verschiedenen Objektiven:


PENTACON 1.8/50 auto Multicoating M42 an Nikon Df




Dem Pentacon 50mm werden gute optische Eigenschaften auch bei Offenblende nachgesagt. Ich kann das zumindest in der Kombination mit dem Adapter an der Nikon Df nicht bestätigen. Mein Exemplar dieses Objektivs ist in Kombination mit dem Wecellent Adapter an der Df offen völlig unbrauchbar, sehr weich, wie auf dem folgenden Bild zu erkennen. Das ist f/1.8:



Abgeblendet wird es wirklich deutlich besser, brauchbare Ergebnisse erhält man ab Blende 8. Da ich zwei 50er hier hatte, habe ich mich entschieden, dieses Objektiv auf meine Test-Tour nicht mit zu nehmen. Ich habe auch ein paar Vergleichsaufnahmen bei f/4 und f/5.6 mit dem Carl Zeiss Jena 2.8/50 gemacht, da war die Performance an den Rändern beim CZJ besser, deshalb fiel die Wahl für den weiteren Test auf das Zeiss.


Carl Zeiss Jena Tessar 2.8/50




Das lichtschwächere meiner beiden 50mm Objektive überraschte mich wirklich. Bei Offenblende etwas weich, liefert es bereits ab Blende 4 wirklich gute Schärfe bis zu den Rändern und ordentlichen Kontrast. Die Bilder sind etwas kühler, als ich es von modernen Nikkoren gewöhnt bin.








MIR-1B 2,8/37




Mein Exemplar dieses russischen Klassikers, der eigentlich ein Nachbau eines Carl Zeiss Flektogon 35mm f/2.8 ist, stammt wohl aus den Sechzigern und hat schon einige Reisen auf dem Buckel. äußerlich ziemlich mitgenommen, sind die Linsen aber ok und liefern eine gute Abbildungsqualität. Bei Offenblende ist es nicht wirklich brauchbar, sehr weich. Die Blende bei diesem Objektiv kann Stufenlos verstellt werden, was auf den ersten Eindruck etwas gewöhnungsbedürftig ist, auf dem zweiten Blick aber besonders für DSLR Filmer praktisch sein kann. Etwas abgeblendet, liefert es scharfe und kontrastreiche Bilder. Die Scharfstellung mit diesem Objektiv macht allerdings wirklich keine Freude, weil der Fokus gefühlte einhundert Umdrehungen von nah nach fern benötigt.







Weiterhin hat dieses Objektiv einen erheblichen Nachteil: es ist unglaublich Gegenlichtempfindlich. Bereits leichtes Licht von der Seite führt zu Lensflares. Manche möchten das schön finden, ich muss das nicht haben, vor allem nicht, wenn ich es nicht als Gestaltungsmittel einsetzen möchte aber ich es nicht mehr aus dem Bild herausbekomme. Die Farbabstimmung in Kombination mit dem Adapter ist warm, etwas rotstichig.






Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135




Ein lichtstarkes Teleobjektiv mit Festbrennweite für 60 bis 80€? Wo gibt es soetwas - bei M42 Objektiven. Ich habe testweise ein Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135 gekauft und ausprobiert. Die Ergebnisse sind relativ gut, die Bilder sind bei Offenblende bereits gut nutzbar, leicht abblenden bringt einen deutlichen Qualitätssprung. Ein ausführlicher Testbericht steht auf meiner Fotografie-Website BLUESPACES PHOTOGRAPHY: Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5 / 135.


Zoom Objektive mit M42 und der Adapter




Ich habe noch ein 28-70mm Schiebezoom Objektiv. Dieses kann nur eingeschränkt benutzt werden, denn die hintere Linse des Objektivs würde gegen die Korrekturlinse des Adapters stoßen. Bei Adaptern ohne Linse könnte sie sogar an den Spiegel stoßen und so Schäden an der Kamera verursachen - also Vorsicht bei der Verwendung mancher M42 Objektive.

Fazit


M42 an Nikon funktioniert mit Adapter besser als gedacht. Die Ausgleichslinse ermöglicht fokussieren auch auf unendlich und die Auswahl der Objektive im Markt ist groß - die Preise sind niedrig. Besonders bei lichtstärkeren Festbrennweiten, wie 135mm oder 180mm kann M42 eine preiswerte Alternative sein. Bei Normal- oder Weitwinkelobjektiven würde ich je nachdem den Aufpreis für ein gebrauchtes AI oder AI-S Nikkor in Kauf nehmen, da es sich im Alltag etwas einfacher verwenden lässt. Die Qualität der Objektive ist unterschiedlich, aber speziell die Carl Zeiss Jena Objektive bieten teilweise Abbildungsqualität zum Bruchteil des Preises der Nikon oder heutiger Zeiss Objektive. Als Geheimtipp würde ich eine Adaption von M42 auf Nikon Kameras dennoch nicht bezeichnen, denn man holt sich auch eine ganze Reihe an Problemen und Unbequemlichkeiten dazu, die man mit klassischen Nikon-F Objektiven nicht hat.

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