Wie praktikabel sind Festbrennweiten für die Fotografie von Events wie Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Feiern, auf denen es auf schnelle Reaktionen im richtigen Moment ankommt?

Ich hatte das Vergnügen kürzlich eine Hochzeit fotografieren zu dürfen, bin aber kein professioneller Hochzeitsfotograf.

Meine Ausrüstung für dieses Event


Als großer Verfechter der Festbrennweite habe ich folgende Ausrüstung mitgenommen:

  • Meine Vollformatkamera Nikon Df

  • Nikon SB-700 Blitzgerät, das sowohl auf der Nikon Df als auch auf der Coolpix A verwendet werden kann

  • Nikon Coolpix A (mit 28mm äquivalenter Festbrennweite)

  • Nikon AF-S Nikkor 35mm f/1.8 G ED

  • Nikon AF-S Nikkor 50mm f/1.8 G

  • Nikon AI-s Nikkor 85mm f/2.0





Aufnahmesituationen und die passenden Objektive


Ich habe sowohl in einem kleinen Standesamt mit einem kleinen dunklen Saal mit Kunstlicht, als auch Paar- und Familienfotos im Freien und die Feier in einem Restaurant fotografiert – also viele verschiedene Licht- und Raumsituationen.

Ich hatte es vorhergeahnt und es hat sich bestätigt: Ich musste sehr häufig die Objektive wechseln, was in manchen Augenblicken schon sehr stressig war. Werfen wir mal einen Blick auf meine Statistik an diesem Tag:

Von 686 Aufnahmen, die ich selbstverständlich alle in RAW fotografiert habe, wurden

  • 68 Aufnahmen mit Nikon Coolpix A (28mm)

  • 283 Aufnahmen mit Nikon Df und 35mm

  • 210 Aufnahmen mit Nikon Df und 50mm

  • 125 Aufnahmen mit Nikon Df und 85mm


gemacht. So viel zur Quantität.

Qualitativ die besten Bilder habe ich mit dem AI-s 85mm f/2.0 gemacht, diese sind sowohl vom Kontrast als auch vom Bokeh herausragend gegenüber den anderen Bildern.

Zu den stressigsten Situationen gehörte die Aufnahmesituation im Standesamt, die sowohl Close Up als auch Weitwinkelaufnahmen erforderte und so einen gelegentlichen Wechsel nötig machte. Das ganze natürlich ruhig und unauffällig, um die Hochzeitsgesellschaft nicht zu stören. Das 35mm war hier die beste Wahl, es performt im Vergleich zum Nikon 50mm f/1.8 G noch einmal deutlich besser hinsichtlich Schärfe und auch Kontrast in den Bildern. Für die Familien- und Paarportraits habe ich das 50mm f/1.8 eingesetzt, was an der Df eine wirklich gute Figur macht und auch bei Offenblende schon gut einsetzbar ist. Das 85mm kam gelegentlich für Gesichtsaufnahmen zum Einsatz, erforderte aber eine ruhige Hand, da es ein manuell fokussierendes Objektiv ist – das wiederum hat überhaupt keine Probleme gemacht. Die Coolpix A mitzunehmen, war eine gute Entscheidung. Mit ihrem 28mm Objektiv kann man in Gespräche, Spiele usw. hereingehen und fängt so die Gruppendynamik ganz gut ein.


Welche Lehren ziehe ich?


Auch bei Primes muss man bei Offenblende aufpassen – besonders das 85mm f/2.0 ist bei f/2.0 nicht wirklich brauchbar, ist jedoch schon bei f/2.8 und besonders bei f/4.0 kontrastreich, scharf und liefert dennoch ein schönes Bokeh. Gleiches gilt für das 50mm f/1.8, was bei f/2.2, besser bei f/2.8 gut eingesetzt werden kann. Das 35mm f/1.8 ist hier eine lobenswerte Ausnahme, auch bei f/1.8 liefert es knackscharfe Resultate. Das alles muss man im Hinterkopf haben und bei jedem Objektivwechsel erneut beachten, denn insbesondere auf einer Hochzeit kommt es darauf an immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Ein universales Blitzgerät, wie mein Nikon SB-700 funktioniert dankenswerterweise auf beiden Kameras, so dass Bildrauschen und hohe ISOs vermieden werden können.

Das Fotografieren in RAW hat mir einige Bilder, bei denen die Belichtung nicht ganz gepasst hat, gerettet – wieder einmal.
Die Kombination aus mehreren Kameras kann Stress vermeiden. So habe ich teilweise sowohl die Coolpix A für Weitwinkel als auch die Df für Portrait dabeigehabt und konnte so schnell wechseln. Zwei Vollformatbodies sind für mich als ambitionierten Amateur zu teuer, aber die Coolpix A liefert dank des APS-C Sensors auch gute Resultate.

Einen entscheidenden Vorteil der Primes möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht unter den Tisch kehren: In Kombination mit der Nikon Df, selbst mit dem SB-700, habe ich meistens nur ein knappes Kilo Gewicht zu tragen und die Kamera-Objektivkombination ist nicht so auffällig, wie ein großes Zoomobjektiv.


Ich habe für eine andere Hochzeit das Nikon AF-D Nikkor 35-70mm f/2.8 gekauft. Auf meiner anderen Website www.bluespaces.de habe ich einen ausführlichen Review des Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D veröffentlicht. Der ständige Objektivwechsel ist ein Stress, den man mit einem guten Zoom vermeiden kann und bei der Wahl eines besonders lichtstarken Objektivs kann man fast genauso gut fotografieren, wie mit den Festbrennweiten. Ich wollte aber nicht mehr als 1000€ für ein professionelles Zoom ausgeben, deshalb habe ich den Klassiker 35-70mm eingesetzt. Im direkten Vergleich war das Zoom deutlich stressfreier, etwas mehr Weitwinkel wäre gut gewesen. Da das 35-70mm schon bei f/2.8 scharf ist, sind tolle Portraits gelungen. Etwas mehr Weitwinkel wäre besser gewesen. Die meisten Pro’s verwenden ein 24-70 f/2.8, ein Tele und ein Weitwinkelzoom für Hochzeiten montiert an verschiedenen Bodies - nicht ohne Grund. Bei der Verwendung eines Bodies kann auch beispielsweise das Nikon 24-120mm f/4 VR eine gute Wahl sein, wobei der Bildstabilisator bei der Fotografie von Personen und Gruppen häufig nicht viel nutzt, da diese ständig in Bewegung sind.

Fazit


Die Verwendung mehrerer lichtstarker Festbrennweiten an einem Body ist zwar möglich, bedeutet jedoch ziemlichen Stress - und den sollte man beim Fotografieren auf einer Hochzeit auf jeden Fall vermeiden. Mit einem lichtstarken Zoom erreicht man fast genauso qualitativ hochwertige Bilder und ist deutlich flexibler. Wenn der Geldbeutel eine Rolle spielt, gibt es in meinem Artikel Billige und günstige Standard-Zooms von Nikon fürs Vollformat eine Auswahl an preiswerteren Objektiven.


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