Ich habe in den letzten Wochen hunderte Testberichte, YouTube Reviews und Forenbeiträge gelesen und habe festgestellt – ich bin nicht allein. So wie mir geht es vielen Fotografen.

Sie suchen einen Ersatz für die lieb gewonnene D700 und wissen nicht, zu welcher Kamera sie greifen sollen. Denn wie bei vielen Produkten hat sich Nikon entschieden keinen Nachfolger zu bringen und die Kunden in andere Segmente zu schicken.

Nach 5 Jahren mit einer D700 wollte ich eine Veränderung, weil sich meine Art zu Fotografieren geändert hat und die D700 dazu nicht mehr gepasst hat. Ich habe mich deshalb für eine Nikon Df entschieden. Und sie passt gut zu mir.

Dennoch fallen einige Sachen auf, die unbedingt beachtet werden müssen, vielleicht ist die Df nicht für jeden der perfekte Ersatz. Ich versuche mal herauszuarbeiten, warum sie für mich dennoch ein idealer Nachfolger der D700 ist.


Das ist mir positiv aufgefallen:


Das Gehäuse:


Mit dem Body fühlt man sich auf Anhieb wohl. Die Df ist extrem leicht und kompakt und macht besonders in Kombination mit einer kompakten und leichten Festbrennweite sehr viel Freude. Man hat nie das Gefühl Ballast mitzuschleppen, wie bei den größeren Vollformat-Bodies. Die Verarbeitungsqualität und Haptik des Gehäuses wirkt trotz des Einsatzes von Kunststoffen nicht billig.

Nikon Df mit Nikon AF-S Nikkor 50mm F1,8G

Der Body ist vom Sizing und Gewicht für kleinere Objektive ausgelegt. Die D700 fühlte sich auch mit einem großen Teleobjektiv gut ausbalanciert an, die Df wird dabei Kopflastig. Ich verwende ausschließlich kompakte Festbrennweiten und erfreue mich am geringen Gewicht und am ausbalancierten Handling des Gesamtpakets.

Da ich oft im manuellen Modus fotografiere, nutze ich die äußeren Einstellmöglichkeiten und Drehknöpfe häufig und gern. Besonders in Kombination mit ausschließlich manuell fokussierenden Objektiven fühlt sich das Fotografieren fast wieder wie mit einer Nikon FM2, FM3 oder meiner guten alten Praktika MTL-5B an.

Die Kamera fällt insbesondere mit dem schwarzen Gehäuse gefühlt weniger auf, als klassische Spiegelreflexkameras. Das ist besonders dann wichtig, wenn sich das Motiv nicht durch die Kamera gestört werden soll, beispielsweise für Street und Eventfotografie.

Für einen D700 Umsteiger positiv zu erwähnen ist, dass diese Kamera endlich mal eine verlässliche Akkuanzeige hat. Sowohl bei meiner D50 als auch bei der D700 wusste ich, wenn der Akku den Status „voll“ verlässt, ist in wenigen Minuten Feierabend. Die Df schafft, je nach Monitor- und Liveview-Nutzung, bis zu 1400 Fotos mit einer Akkuladung – vorbildlich. Es ist ein kompakterer Akku als in der D700 verbaut, ein Zweitakku ist bei sparsamem Umgang mit dem Monitor nicht nötig.

Nikon Df Gehäuseoberseite

Verschluss und Sensor:


Der Auslöser verrichtet leise und dezent seine Arbeit, der Quiet-Mode verdient seinen Namen allerdings nicht so richtig, da er die Auslösegeräusche einfach nur auf einen längeren Zeitraum streckt.
Ein Quantensprung im Vergleich zur D700: der Sensor. Das Verhalten des Sensors bei hohen ISOs ist wirklich traumhaft, man kann bis ISO12800 brauchbare Fotos machen, deren Rauschen bis ISO6400 nur durch eine dezente aber nicht störende Körnung zutage tritt. Der Wow-Effekt war bei mir genauso groß, wie beim ersten Nutzen der D700 vor vielen Jahren. Doch es ist nicht nur die Lichtempfindlichkeit, es ist auch die Dynamik und Farbwiedergabe besonders für Haut Töne, die mich begeistert.

Das Bajonett:


Was die Objektivauswahl betrifft, ist man überhaupt nicht mehr eingeschränkt, man kann auch bedenkenlos alles aus der Non-AI Ära mit F-Bajonett anschließen, wobei es zunehmend schwieriger wird, gut erhaltene Exemplare aus dieser Zeit zu bekommen. Für mich ändert sich hier zunächst nichts, eventuell kann ich bei der Anschaffung einer leichten Portraitlinse im 85mm oder 100mm Bereich auf ein Non-AI-Produkt zurückgreifen.


Dinge, die andere Leute stören, mir aber egal sind


Kartenslot und Handgriff:


Für alle D700 Nutzer heißt es das Speichermedium wechseln. Die Df nutzt SD-Karten zum Speichern der Daten, es gibt wie bei der D700 nur einen Slot. Mich stört das jedoch nicht, mir ist auch in 15 Jahren Digitalfotografie noch nie eine Speicherkarte kaputt gegangen. Dieser Slot befindet sich neben dem kompakten Akku, dazu muss eine Klappe am Boden der Kamera geöffnet werden, was bei der Verwendung von Stativplatten störend sein kann.

Viele Nutzer stören sich am Handgriff der Df. Ich war auch extrem skeptisch, halte die Kamera aber wieder so, wie früher meine Praktika oder FM2 am Objektiv. Aufgrund des geringen Gewichts nutze ich auch keinen Trageriemen mehr, denn sie liegt bequem in der Hand. Die Position der Trageriemenösen ist für mich nicht nachvollziehbar nach vorn orientiert – stört mich aber nicht.

Nikon Df Griff

Funktionsumfang:


Dass die Kamera keine Videofunktion hat, kann ich ihr verzeihen, denn ich benötige Video nicht – dafür habe ich eine Canon HF-G10.
Die Df hat kein integriertes Blitzlicht, die D700 hatte das. Ich habe den Blitz allerdings auch nur dann genutzt, wenn die Lichtempfindlichkeit des Sensors kein brauchbares Foto mehr erlaubt hat – das hat sich bei der Df deutlich ins hohe ISO-Spektrum verlagert – mir fehlt der Blitz deshalb nicht. Und wenn ich mal wirklich einen brauche, nehme ich ein externes Blitzgerät mit.


Meine Hauptkritikpunkte


Das AF-Modul:


Das verbaute Autofokussystem kann man angesichts des Neupreises nur als Frechheit bezeichnen. Bei gutem Licht kann man sich auf das System noch einigermaßen verlassen, sobald es aber dunkler wird, versagt es komplett. Die maximal 39 Autofokuspunkte sind sehr dicht aneinander, was bei bewegten Motiven stört. Auf das AF-System der D700 konnte man sich meistens verlassen, die Df produziert hier deutlich mehr Ausschuss. Das ist gerade in Kombination mit einem Sensor, der speziell für schwierige Lichtverhältnisse gemacht ist, paradox. Als Workaround kann bei schlechtem Licht auf manuellen Fokus umgestiegen werden, wobei der Live-View bei starker Dunkelheit zur Fokussierung genutzt werden kann – das funktioniert deutlich besser als über den optischen Sucher, geht allerdings zulasten der Akkulaufzeit. Untertags funktioniert das fokussieren mit manuellen Objektiven meines Erachtens nach über den Sucher sehr gut, auch wenn die Df keine Schnittbild Mattscheibe mitbringt.

Halbherzige Umsetzung des Gesamtkonzepts:


Bei der Gestaltung der manuellen Bedienelemente verstehe ich einige Dinge überhaupt nicht. Wozu gibt es beispielsweise überhaupt einen PASM-Schalter? Den braucht kein Mensch. Stattdessen ein A auf die Verschlusszeitauswahl und eins auf die Blendenauswahl an der Vorderseite und die Kamera arbeitet im P-Mode. Das haben alle anderen Hersteller schon vor Nikon verstanden. Genauso bei der Lichtempfindlichkeit. Warum kann man die Lichtempfindlichkeit bequem über ein Rad verstellen, aber nicht auf AUTO-ISO schalten? Dazu kann ich nur sagen: schade, dass das so gedankenlos umgesetzt wurde oder werden musste.

Nikon Df Gehäuseoberseite

Mein Fazit für unentschlossene D700 Nutzer:


Mir scheint, diese Kamera richtet sich an semiprofessionelle Reisefotografen, wie mich, die Bilder nicht im Akkord machen müssen und denen es vor allem um geringes Gewicht und bestmögliche Bildqualität geht. Es geht auch um eine Emotionalisierung des Fotografierens, das Erlebbar machen des Anfertigens eines Bildes.

Wer bei etwas höherem Gewicht das optimale Gesamtpaket sucht, keinen Wert auf Design-Schnick-Schnack legt und einfach nur schnell viele Fotos machen möchte oder muss, ist für den gleichen Preis mit einer D750 besser bedient.

Für mich ist diese Kamera eine würdige Nachfolgerin der D700, die mir über die Jahre zu groß und schwer geworden ist. Ich hoffe, dass die Df genauso treu und fehlerfrei ihre Arbeit verrichten wird, wie es meine D700 getan hat, die jetzt bei jemand anderem ein neues Kameraleben beginnt. Wenn Nikon bei einem möglichen Nachfolger aus den Schwächen der Df, die nicht nur ich festgestellt habe, lernt, könnte eine Df2 ein wirklicher Kassenschlager werden, der die Fotografie revolutioniert.




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