Ich möchte mit diesem Artikel auf ein Kameramodell aufmerksam machen, das weit unterschätzt ist und jetzt für einen attraktiven Preis auf alle wartet, die schon lange nach einer kompakten Ergänzung zur Vollformatkamera suchen. Der Artikel wurde von mir nach einer Indien-Reise mit dieser Kamera noch einmal aktualisiert und der Titel geändert auf "... die Ideale Zweit- und Reisekamera." Letztes Update dieses Artikels war am 08.11.2017.

Nikon hat die Coolpix A im Jahr 2013 für einen unverschämt teuren Einstiegspreis von über 1000€ auf den Markt gebracht. Dazu gibt es noch teures Zubehör, wie einen GPS oder WLAN-Empfänger und einen aufsteckbaren optischen Sucher. Das macht das System teuer und im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera sehr unattraktiv. Dementsprechend schlecht hat sich dieses Produkt verkauft – obwohl die Kamera technisch eine der besten Kompaktkameras auf dem Markt war. Aber das war und ist zum Teil bis heute ein Kennzeichen von Nikons nicht nachvollziehbarer Produktpolitik, die das Unternehmen langsam an den Rand des Ruins treibt.

Konkurrenten, wie die RX100 von Sony oder die X100 sind ähnlich teuer, sind aber trotzdem beliebter. Nikon hat Ende 2014 scheinbar aufgegeben und die Produktion der Coolpix A eingestellt. Gebrauchte Exemplare gibt’s ab 300€ - Großteils auch neuwertige, denn diese Kamera ist nicht für jedermann geeignet. Für mich ist ein Preis von 300€ bis 400€ die Summe, die ich bereit bin, für diese Kamera auszugeben. Ein guter Tipp ist, wer auf der Suche nach einer Coolpix A ist, bei Nikon nach Refurbished Kameras zu schauen. Da sind ab und zu praktisch fabrikneue Geräte für unter 300€ zu haben – mit Garantie.
Die Nikon Coolpix A ist die perfekte Reisebegleiterin, wenn die Fotoausrüstung nicht viel Platz und Gewicht einnehmen darf. Mit einer Coolpix A hat man sozusagen eine D7000 mit einer Festbrennweite, die 28mm Kleinbildformat entspricht, dabei – nur mit dem geringen Gewicht und der Größe einer Kompaktkamera.

Mein Review als Video







Für wen ist diese Kamera geeignet?


Die Coolpix A ist eine Kamera für erfahrene Spiegelreflex-Nutzer, die ideale Zweitkamera. Alle Knöpfe und Eingabeelemente befinden sich dort, wo sie auch auf der DSLR platziert sind, auch die Menüs sind weitestgehend identisch aufgebaut, so dass sich ein erfahrener Nikon-Nutzer innerhalb weniger Sekunden mit der Kamera vertraut fühlt.
Die Kamera hat eine 28mm equivalente Festbrennweite mit Anfangslichtstärke 2,8. Wer auf große Zoomobjektive steht, wird damit nicht glücklich werden, wer Street und Landschaft fotografiert wohl eher. Das Objektiv ist optisch hervorragend, Schärfe, Vignettierung und Verzeichnungen sind im guten Rahmen und können mit DSLR Objektiven mithalten. Ich bin immer wieder beeindruckt welche Schärfe dieses Objektiv zu leisten imstande ist.

Nikon Coolpix A Gehäuseoberseite

Mit der Coolpix A kann man selbstverständlich im RAW Format schießen und so in der Nachbearbeitung, beispielsweise mit Lightroom, noch einiges raushohlen. Die Dynamik des 16-Megapixel Sony Sensors der Nikon Coolpix A bietet ein weites Spektrum, welches deutlich über den Wettbewerbern im Kompaktformat liegt. Seine Größe macht sich vor allem im positiven Rauschverhalten bemerkbar und ist für mich der Kaufgrund für diese Kamera schlechthin. Lightroom hat in Version 4 und 5 auf jeden Fall die Eigenschaft in den Voreinstellungen zur automatischen Kontrastoptimierung die Bilder zu überbelichten, das muss man berücksichtigen. Ansonsten lassen sich aus den RAWs noch deutlich mehr Details holen, als die schon guten JPEGs direkt aus der Kamera bieten.

Nikon Coolpix A Rückseite

Die Kamera ist handlich, sehr klein und hat ein Gehäuse aus Metall. Das Gewicht ist höher als bei den Kunstoff-Konkurrenten aber wirkt stabil und robust. Die Kamera ist „Made in Japan“, Nikons DSLRs der Consumer-Linie laufen inzwischen alle in Thailand vom Band, nur die teureren Vollformatprodukte kommen noch aus Japan.

Wie schlägt sich die Coolpix A im Alltag?


Ich bin auf Städtereisen oft mit der Kombination D700 mit einem 28mm F2,8 unterwegs gewesen und habe mich bei meiner letzten Kurzreise entschlossen, ausschließlich die Coolpix A mitzunehmen. Anfangs war ich skeptisch aber ich habe die Entscheidung keine Sekunde bereut. Auch heute, wo ich eine Nikon Df besitze, lasse ich gelegentlich die Df zu Hause und nehme die Coolpix A mit. Sie liefert mir gute Bilder und passt in jede Jackentasche.
Ich verwende keinen optischen Sucher, die Bildkomposition fällt mit dem großen und scharfen Display sehr leicht. Allerdings kann man bei sehr hellem Tageslicht nur wenig erkennen, dafür gibt es den optischen Sucher zum Aufstecken auf den Blitzschuh – der ist aber mit 200€ wiederum unverschämt teuer und so bislang auch nicht in meiner Zubehörsammlung gelandet.

Schaltet man die Kamera ein, fährt zunächst das Objektiv heraus. Das geht schnell aber so eine Mechanik ist nicht für die Ewigkeit gebaut – funktioniert bei meiner 14 Jahre alten Powershot G2 aber auch noch tadellos – hoffen wir mal, dass das bei der Coolpix A auch so sein wird. Nach dem Einschalten ist die Kamera innerhalb einer Sekunde betriebsbereit.

Der Autofocus ist schnell aber nicht überragend schnell – verglichen mit meiner D700 und auch mit der Nikon Df. Manuell fokussieren fällt dank des geschmeidigen Zoomrings nicht schwer. Was ich bis heute nicht verstanden habe, ist der Sinn eines Makro-Modus bei diesen Kompaktknipsen. Ist die Fokusdistanz zum Motiv zu klein, muss man auf Makro umschalten, damit die Kamera wieder fokussiert. Diesen Blödsinn habe ich an vielen Consumer-Kameras gesehen, da frage ich mich, warum man das nicht mit einer Software umgehen kann. Bei einem Makro-Objektiv, wo es um fokussieren im Millimeterbereich geht, verstehe ich das ja noch – nicht aber bei einer Kamera mit 28mm Festbrennweite. Sei es drum, das trübt den Gesamteindruck nur wenig. Positiv ist die Gesichtserkennung und Motivverfolgung, das klappt im Alltag sehr gut – wenn auch langsam und nicht bei jedem Foto auf Anhieb.

Ich habe die User-Programme U1 und U2 so eingestellt, dass die Kamera im Zeitautomatik-Modus läuft und der Autofokus einmal auf Einzelbild und Einzelscharfstellung steht und im zweiten Programm auf Motivverfolgung. Die Blende wähle ich selbst, die Lichtempfindlichkeit habe ich auf Automatik gestellt. Mit dieser Kombination habe ich fast alle Situationen so bequem kontrollieren können, wie bei meiner D700 – Alltagstest mit Bravour bestanden.
Auch die Akkulaufzeit war in Ordnung, lediglich bei häufigem Gebrauch des Blitzes ging der Akku doch schnell zur Neige. Apropos Blitzen: Der Zubehörschuh der Coolpix A ist mit dem CLS von Nikon kompatibel, so dass ich meinen SB700 Blitz auch auf der Coolpix A einsetzen kann. Das sieht zwar lustig aus, denn das Blitzgerät ist größer als die Kamera, liefert aber in Innenräumen wirklich gut ausgeleuchtete Fotos.

Die Bilder rauschen verhältnismäßig wenig, auffällig sind komische Ausreißer bei ISO500, das teilweise genauso aussieht, wie ISO3200. Eine leichte Körnung fällt auf, die beim Herunterskalieren der 16-Megapixel Bilder auf Internettaugliche Größen jedoch kaum noch auffällt.

Nikon Coolpix A 100% bei ISO1000 und F2,8

Der Weißabgleich der Coolpix A ist im Außenbereich und bei Wolframlampenlicht in Ordnung, bei LED oder Energiesparlampenlicht passt das Ergebnis jedoch nicht wirklich – das fällt vor allem bei Hauttönen auf. Ansonsten sind die Farben kräftig mit dem Nikon typischen leicht goldenen Look.

Der Videomodus ist gewöhnungsbedürftig, man kann ihn schnell erreichen, indem man sich die Funktion zur Auswahl auf eine der zwei anpassbaren Fn-Tasten legt. Die Qualität ist allenfalls Mittelmaß und der Ton ist mono – da leistet jedes Smartphone einen besseren Dienst.

Nachbearbeitung in Lightroom


Ich fotografiere ausschließlich in RAW und bearbeite die Fotos anschließend in Lightroom. Benutzt man die automatische Bildanpassung in Lightroom fällt auf, dass die Bilder durch Lightroom stets deutlich überbelichtet werden – auch wenn sie im Original von der Kamera schon sehr gut belichtet vorliegen. Hoffentlich bessert Adobe hier irgendwann nach, bei der Qualität der Produkte dieses Hauses erwarte ich das jedoch eher nicht.

Adobe Lightroom 5

Die RAWs haben sehr viel Potential bei der Dynamik, die Grundschärfe aus der Kamera ist bereits auf hohem Niveau und das Rauschen fällt durch leichte Körnung und geringes Farbrauschen aus – das macht die Bilder insgesamt einfach und schnell nachbearbeitbar. Der Weißabgleich kann gut angepasst werden, das ist wie oben beschrieben bei Innenraumaufnahmen auch nötig – als schwierig haben sich dabei Mischlichtsituationen herausgestellt. Da sind meine D700 und die Nikon Df aber auch nicht viel besser.

Alltagseinsatz auf Reisen und Langzeiterfahrungen


Wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, wäre es unauffällig. Die Coolpix A verrichtet in fast allen Situationen brav ihren Dienst wie eine Große DSLR, fällt dabei aber weniger auf und passt in die Jackentasche. Ich habe die Kamera auf einer Indien-Reise dabei gehabt und hatte nur wenige Situationen, in denen ich im Alltag meine Spiegelreflex vermisst habe.

Fotos siehe:
Kerala im Süden Indiens

Lob 1: Gewicht und Gehäuse

Reisen ohne Fototasche ist möglich. Und die Bilder sehen trotzdem aus, wie mit einer DSLR geschossen. Traumhaft. Die Kamera ist solide verarbeitet, trotzt auch hohen Luftfeuchtigkeiten und machte bei Staub und Schmutz keine Murren. Auch mit dem Display hatte ich bei starker Sonneneinstrahlung keine Probleme, gleiches gilt für den nicht vorhandenen Griff. Das ist reine Gewöhnungssache.

Lob 2: Akkulaufzeit

Ich hatte nur einen Akku dabei und musste trotzdem nicht jeden Abend aufladen. Das ist für mich akzeptabel.

Lob 3: Bildqualität bei schlechtem Licht

Klar, die Kamera rauscht sichtbarer als eine Vollformat. Aber das Rauschen ist kontrollierbar und stört bis ISO3200 eigentlich nicht. Für Low-Light ideal. Und bei 28mm verwackelt man eh fast kein Foto - ein stromfressender Bildstabilisator wird meiner Meinung nach nicht benötigt.

Kritikpunkt 1: Autofocus

Der Autofokus ist langsamer und unpräziser als bei einer Spiegelreflexkamera, besonders bei schnellen Bewegungen. Was mich besonders genervt hat, ist, dass man nur über das Menü die Autofokus-Modi umschalten kann. Ich habe mich hier beholfen und die U1 und U2 Funktionen verschieden belegt.

Kritikpunkt 2: Belichtungskorrektur

Wurde eine Verstellung der Belichtung vorgenommen, ist dies nicht auf Anhieb sichtbar. Die Einstellung wird global über die verschiedenen P A S M Programme behalten und bleibt, wenn vergessen, auch nach dem Ausschlaten aktiv. Wohl dem, der in RAW fotografiert.

Kritikpunkt 3: Kein separater SD-Kartenslot

Ich finde den SD-Kartenslot neben dem Batteriefach etwas ungünstig, mir wäre ein separater Slot lieber gewesen, wie man es von jeder DSLR gewöhnt ist. Aber das ist nicht wirklich schlimm.

Ergänzung aus dem Jahr 2017: meine Langzeiterfahrungen

Nach fast 3 Jahren habe ich nur wenig Verschleiß feststellen können. Mir ist die Kamera sogar einmal heruntergefallen, was eine etwas unschöne Delle an einer Gehäuseecke erzeugt hat – mehr aber auch nicht.
Die Gummierung hat sich gelöst, die habe ich mit etwas Sekundenkleber wieder fixiert – diese Krankheit haben mit Ausnahme meiner Nikon Df alle meine Nikon Kameras gehabt.
Inzwischen hat sich auch etwas Staub auf dem Sensor abgelegt, was bei Blenden ab f/8 sichtbar ist. Ich stemple das in Lightroom aus – eine Staubentfernung ist nicht vorgesehen, auch eine Sensorreinigung hat die Coolpix A leider nicht. Wenn ich den Staub weg haben möchte, werde ich nicht umherkommen, die Kamera beim Händler säubern zu lassen. Hier kann ich allerdings durch die notwendige Öffnung des Gehäuses mit einen dreistelligen Betrag rechnen – also lasse ich das erstmal bleiben.


Review


Es gibt zahlreiche Reviews der Coolpix A, da möchte ich jetzt nicht noch einen dazu packen. Ich glaube, die Daten sprechen für sich. Hier mal ein interessantes Review-Video, das die Coolpix A mit einem Wettbewerber, der Ricoh GR vergleicht:






Mein Fazit


Eine der unterschätztesten Kompaktkameras, die es derzeit neu aus Restbeständen und gebraucht in gutem Zustand gibt - meine Empfehlung für alle, die eine kompakte und lichtstarke Zweitkamera als Ergänzung zum Vollformat suchen. Man kann sie guten Gewissens auf eine Reise als einzige Kamera mitnehmen. Wer ein bisschen Geld übrig hat, sollte bei den jetzt günstig verfügbaren Gebrauchten zuschlagen. Eine gute Alternative ist die Ricoh GR2, die für ähnliches Geld zu haben ist, wenn es etwas größer sein darf, geht auch eine Kamera aus Fujis X100 Serie.


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