Die Suche nach dem perfekten Reiseobjektiv



Irgendwie hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich für den Trip nach Mexiko ein kompaktes Reiseobjektiv brauche. Was liegt näher als eine Festbrennweite? Da ich mich aber nicht zwischen meinem Nikon AI Nikkor 28mm F2,8 und dem Nikon AF-S Nikkor 50mm F1,8 G
entscheiden konnte, habe ich mich nach leichten Travel-Zooms umgeschaut. Da kann man natürlich selbst für ein gebrauchtes Objektiv zwischen 10 und 1000 Euro so ziemlich alles finden.

Die Kaufentscheidung


Die ersten Einschränkungen an der Auswahl machte ich anhand von Baugröße und Gewicht. Es sollte sehr leicht sein, am besten unter 500g, denn die D700 wiegt ja dank Metallgehäuse auch schon einiges. Dazu sollte es sehr kompakt sein, denn ein kleineres Objektiv ist einfach praktischer und erregt auch weniger Aufmerksamkeit. Und es sollte möglichst günstig sein und dabei noch akzeptable optische Ergebnisse erzielen. Da wird die Wahl schon eng.

Die Lichtstärke war für die Anschaffung kein vordergründiges Argument. Meine D700 macht auch bei ISO3200 noch gute und bei ISO6400 und geringer Verkleinerung auch noch akzeptable Fotos. Zur Wahl standen letztendlich für mich nur 2 Zoom-Objektive: Das Nikon AF-Nikkor 28-80mm F3,3-5,6 G oder das Nikon AF-Nikkor 28-70mm F3,5-4,5 D. Beide Objektive gehen gebraucht zwischen 50 und 100 Euro über den Ladentisch und bieten für diesen Preis auch an einer teuren Vollformatkamera ein gutes optisches Ergebnis, das natürlich nicht mit dem einer teureren Festbrennweite vergleichbar ist. Da ich ein 28-70mm günstig erhalten konnte, habe ich mich dafür entschieden.


Erste Tests


Die ersten Tests habe ich während einiger Wanderungen letzten Sommer durch den Pfälzer Wald gemacht. Hier ein paar Eindrücke:







Ich war überrascht, wie gut die Farbwiedergabe und der Kontrast sind, die Makrofähigkeit ist auch überzeugend. Positiv finde ich den Verzicht auf den Makro-Schalter, den ich bei anderen Objektiven, wie dem Nikon AF Nikkor 28-105mm F3,5-4,5 D IF kenne. Am meisten hat mich das geringe Gewicht gepaart mit einer Lichtstärke von 4,5 bei 70mm überzeugt, da sind viele der leichten Plastikbomber wesentlich schwächer. Die 9 Lamellen der Blende erzeugen ein schönes Bokeh, das insgesamt jedoch etwas zu unruhig ist, um es für Portraits einzusetzen. Direkt in die Sonne fotografiert, ergeben sich wunderschöne Sonnenstrahlen, siehe Gegenlichtfoto im Wald oben.

Das Reiseobjektiv


Los ging es auf die große Reise durch Mexiko, ich hatte nur meine D700 und dieses Objektiv dabei. Klimatisch war von 10 bis über 30°C alles dabei, von schwül bis trocken. Da gab es keinerlei Probleme, ich habe die aber auch nicht erwartet. Das geringe Gewicht fiel bei ausgedehnten Stadtrundgängen sehr positiv auf. Wenn ich daran denke, wie ich einst das schwere Tokina AT-X PRO II 28-70mm F2,6-2,8 durch die Straßen von Kiew geschleppt habe, wird mir heute noch mulmig.

Ein schönes lichtstarkes Objektiv ist eine feine Sache, aber für lange ausgedehnte Stadtspaziergänge ist ein geringes Gewicht von enormem Vorteil. Nur selten habe ich während der Reise ein anderes Objektiv vermisst, wenn dann ein längeres Tele. Klar, wenn einem Vögel vor die Linse kommen, kann die Brennweite nicht lang genug sein.



Einen Bildstabilisator habe ich nicht vermisst, im Zweifelsfall konnte ich durch höhere Lichtempfindlichkeiten kürzere Verschlusszeiten realisieren. Das Zoomen geht erstaunlich leicht aber präzise vonstatten, der Autofokus sitzt auf Anhieb. Das Objektiv hat keinen eigenen AF-Motor, so dass es an den günstigen Consumer-Modellen nur manuell fokussiert werden kann.

Ghosting oder Lensflare hält sich in Grenzen, ich habe viel mit der Sonne gespielt und komponiert und hatte nur ein einziges Mal wirklich störende Reflektionen im Bild, nämlich in diesem hier:



Ich habe jedoch keine Gegenlichtblende verwendet, das hätte sicher noch einen besseren Einfluss auf Kontrast und Farbwiedergabe gehabt und die Lensflares etwas eingedämmt. Da ich direkt in RAW fotografiere und per Lightroom CAs entferne, fallen die geringen Farbsäume für mich nicht ins Gewicht.

Im Nachhinein habe ich mich dann doch noch über das Objektiv geärgert. Nämlich als es darum ging die Verzerrungen und Vignettierungen aus den Bildern wieder zu entfernen, wo sie störend oder nicht gewollt waren. Denn in Lightroom gibt es kein eigenes Profil für das Objektiv, so dass man hier selbst Hand anlegen muss. Die Verzerrungen sind besonders im Weitwinkel bei 28mm sehr auffällig, ab ca. 35mm ist das aber weitestgehend verschwunden.

Die Schärfe ist insgesamt in Ordnung aber nicht überwältigend. Generell empfiehlt es sich mindestens auf F5,6 oder F8 abzublenden um scharfe Ergebnisse zu erzielen.

Hier noch ein paar Impressionen, die mit dem 28-70 entstanden sind:








Mein Fazit


Das 28-70mm F3,5-4,5 D ist ein gutes Reisezoom, das für alle Situationen ausreichend Spielraum bereithält. Es ist klein, kompakt, leicht und wartet dazu noch mit einer verhältnismäßig konstanten Lichtstärke auf. Für unter 100€ absolut empfehlenswert. Wie sich das Objektiv an einer D800 mit 36 Megapixeln schlägt, kann ich nicht beurteilen. Für die D700 oder D3 taugt es jedenfalls.

Es gibt wenig Ausführliche Reviews diese Linse. Der unvermeidliche Ken Rockwell hat einen auf seiner Website:
Ken Rockwells Review dieses 28-70mm.

Ich habe das Objektiv dennoch wieder verkauft und mir für die nächste Reise vorgenommen, nur mit einer einzigen Festbrennweite auszukommen.


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